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Mausoleum Noer

In diesem Mausoleum fanden der Graf Friedrich Christian Carl August von Noer († 25. Dezember 1881) und seine Gemahlin, Gräfin Henriette Sophie Mathilde Carmelita geb. Eisenblat († 11. August 1912), ihre letzte Ruhestätte. Zunächst wurde der Graf in dem südlichen Anbau des Turmes der Krusendorfer Kirche beigesetzt. Es war der Wunsch des Grafen, dass im Noerer Schlosspark eine Grabkapelle errichtet werden sollte. Er hatte kurz vor seinem Tode hierfür persönlich den Platz ausgesucht Das Mausoleum wurde zwischen April 1882 und Dezember 1882 erbaut. Am 26. Dezember 1882 wurde der Graf in das fertig-gestellte Mausoleum überführt.

     
Das Bild zeigt das Mausoleum in Noer
 

Das Mausoleum ist ein Werk des Kieler Architekten Heinrich Moldenschardt (* 25.1.1839, † 1.9.1891). Er wurde bekannt durch den Bau der Bahnhöfe Altenhof, Eckernförde, Gettorf. Noch bekannter wurde er durch das inzwischen abgerissene Thaulow-Museum in Kiel. Von ihm stammt auch das Hildebrandt-Mausoleum in Dänischenhagen. Moldenschardt war Schüler des berühmten Architekten Gottfried Semper († 1902). Auf diese Verbindung werde ich noch zurückkommen.

  
Das Mausoleum beeindruckt durch seine Schlichtheit und Liebe zu Details, durch seine Proportionen und Farbigkeit. Der Sockel ist mit grauen Granitplatten verkleidet, die Außenwände darüber zeigen gelbe Ziegel und rote Terrakotten.
 
Der kleine Zentralbau hat die Form des Oktogons. Die Zahl 8 spielt in der Zahlensymbolik eine bedeutende Rolle. Bei vielen Völkern ist die 8 eine Schicksalszahl, die nahe beim Tode liegt. Im Sanskrit erscheint das „Glücksrad“ als Aschta mangala, wobei mit Glück das Schicksal gemeint ist. In der christlichen Zahlensymbolik bedeutet die 8 den neuen Anfang, das neue Leben, die Auferstehung. Die Auferstehung Christi erfolgte am 8. Tage nach seinem Einzug in Jerusalem (dem Palmsonntag). In der alten Wochenordnung begann nach der 7-Tage-Woche am Sonntag die neue Woche, das neue Leben. Die Tatsache, das viele Baptisterien (Taufkirchen) in Oktogon-Form gebaut wurden, deutet auf das neue Leben nach der Taufe hin.
 
Die Seitenwände werden oben abgeschlossen mit einem Fries aus Eichenlaub und Ahornlaub in ständigem Wechsel. Auch hier sehen wir in der ständigen Wiederkehr einen Hinweis auf die Ewigkeit.
 
Über der achteckigen Grundform erhebt sich die Kuppel. Die Form wechselt in die Rundform. Terrakottakassetten zeigen auch hier in ständigem Wechsel einen Kranz, ein Feston (bogenförmiges Gehänge) mit Blumen und ein Feston mit Früchten. Hier wird ebenfalls symbolisch die immer wiederkehrende Erneuerung des Lebens dargestellt, wobei der Kranz in der christlichen Symbolik auch Zeichen der Auferstehung ist. Die Dreizahl in der Darstellung (Blumen, Früchte, Kranz) deutet auf die Dreifaltigkeit hin (siehe auch weiter unten bei der Beschreibung der Tür).
 
Die schwere, kassettierte Holztür mit einem metallenen Löwenkopf mit Griffring zeigt nach Osten. Der Osten ist die Himmelsrichtung des neuen Tages, des Sonnenaufgangs, der Auferstehung. So wurden auch die meisten alten Kirchen mit dem Altar nach Osten gebaut, um diese Auferstehungssymbolik darzustellen.
 
Inneres des Mausoleums in Noer

     
Über der Tür wölbt sich eine aus Terrakotta geformte Supraporte. Außen auf der Wölbung sind 3 Akroterien (Spitzen) angebracht. Nach innen ist die Supraporte abgestuft. Im mittleren Feld ist in einem Dreieck, umgeben von einem Strahlenkranz, das Auge Gottes dargestellt. Das Dreieck ist in dieser Komposition Symbol für die Dreifaltigkeit, die Dreieinigkeit Gottes, und das Auge Symbol für die Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht Gottes. Über dem Dreieck sind 10 Sterne als Symbol des Himmels angeordnet. Im abschließenden Halbrund des Innenfeldes sehen wir eine Ranke aus Lotosblüten. Diese Lotosblüten könnten bewusst auf die Grabstätte eines Sanskritisten hinweisen. Der Türsturz und die Türpfeiler, welche die Supraporte tragen, sind mit gleichmäßigen Blattornamenten gestaltet.

Im Innern stehen 2 Särge: rechts der Sarg des Grafen von Noer, gestorben am 25.12.1881, und links der Sarg seiner Frau Carmelita, gestorben am 11. August 1912.

 
Beide Särge stehen so, dass die Verstorbenen Richtung Osten gewandt sind, der aufgehenden Sonne, dem neuen Tag, der Auferstehung entgegen. Der aus schwarzem, weißem und rötlichem Kleinmosaik gebildete Fußboden erinnert an römische Vorbilder. In der Mitte ist auf schwarzem Grund ein weißer Stern eingearbeitet, der sich auf die achteckige Grundform bezieht.
Als Gegenstück zu dem Stern befindet sich in der Kuppel als Abschluss ein Buntglasfenster, das Rosenfenster (siehe Bild unten).
 
Die 8 Wandflächen und die Säulen sind in einer Marmorimitation, der Stuccolustro-Technik, gearbeitet. Die Wandflächen werden oben jeweils abgeschlossen durch ein dunkelrotes Architrav (Längsbalken über einer Säulenreihe) mit Bibelsprüchen in goldenen, gotischen Buchstaben. Über jeder Seitenwand befindet sich ein Halbkreisbogen, der wiederum ein Kreisfeld einschließt. Darüber erhebt sich das Kuppelfeld, eingefasst durch die Gurtbögen der Kuppel. Kuppelfelder und Gurtbögen münden oben in das bereits erwähnte Rosenfenster.
 
Die ursprüngliche Schablonenmalerei in den Kuppelfeldern und auf den Gurtbögen wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt übermalt. So kam Dietmar Klewitz in einer Arbeit über Moldenschardt zu der Ansicht: „Das Blau der Kuppelfelder, das Weiß der Pfeiler und das Rot des Architravs deuten auf die Landesfarben Schleswig-Holsteins". Durch die Feuchtigkeit und die damit verbundene Auflösung der Farbe kam die ursprüngliche Schablonenmalerei wieder zu Tage.

Mit der Stuccolustro-Technik und der Schablonenmalerei benutzt Moldenschardt, ein Schüler Sempers, die gleiche Technik, die auch in der Semperoper zu Dresden angewandt wurde.


     
Inneres des Mausoleums in Noer 
Von Dezember 2007 bis Oktober 2012 wurde das Mausoleum renoviert und restauriert. Der Dachstuhl und das Dach wurde komplett erneuert. Im Inneren wurden die Wände gereinigt und die Schablonenmalerei in den Kuppelfeldern und auf den Gurtbögen nach den Originalvorlagen in der ursprünglichen Farbigkeit rekonstruiert. So beschreibt Master-Restaurator Kulicki seine Arbeit.
 

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Eine kurze Lebensgeschichte des Grafen von Noer
 
Der Graf von Noer wurde am 16. November 1830 im Prinzenpalais in Schleswig als Friedrich Christian Carl August Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg geboren. Seine Eltern waren Prinz Friedrich Emil August zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg-Noer (bekannt durch die Provisorische Regierung 1848) und dessen 1. Ehefrau Gräfin Henriette Danneskjold-Samsø.
 
Nach einer kurzen Militärzeit im Krieg 1848 machte der jun ge Prinz seine 1. große Reise über Australien nach Vorderindien und zurück über den vorderen Orient in die Heimat (vergl. sein Buch: Altes und Neues aus den Ländern des Ostens). 1852 begann er seine Studien in Cambridge.
 
Seine 1. große Indienreise begann im September 1864. Sie wurde allerdings schon 1865 durch den Tod seines Vaters abgebrochen. 1867 startete der Graf (damals noch Prinz, siehe weiter unten) zu seiner 2. großen Indienreise mit dem Hauptziel: Agra mit dem Grabmahl des Kaisers Akbar (1542 - 1605). Von diesem außergewöhnlichen Herrscher war der Graf fasziniert. Ihm widmete er sein ganzes wissenschaftliches Forschen und Arbeiten bis hin zu dem zweibändigen Werk: Kaiser Akbar.
 
1869 kehrte der Graf nach Noer zurück und lernte hier Henriette Sophie Mathilde Carmelita Eisenblat (geb. 21.8.1848 in La Guaira, Venezuela, Tochter eines Hamburger Kaufmanns) kennen. Er wollte diese Dame heiraten, aber sie war bürgerlichen Standes. Jedoch die Liebe war stärker. Deshalb fuhren sie gemeinsam nach Berlin zum damaligen König Wilhelm (später Kaiser Wilhelm I.). Von ihm ließ sich der Prinz am 12. April 1870 zum Grafen von Noer ernennen. Damit war der Weg für die Liebe frei. Am gleichen Tag fand noch die Verlobung statt und am 17. Mai die Hochzeit. Die beiden bekamen zwei Töchter: Carmen (blieb in Noer, heiratete den Grafen Ernst zu Rantzau) und Luise (heiratete in Frankreich, Manerbe in der Normandie, den Prinzen Henri Handjéri-Vlangali).
 
Am 5. März 1878 erhielt der Graf von der Universität Kiel für seine wissenschaftlichen Arbeiten und Verdienste die Ehrendoktorwürde. Am 1. Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1881, starb der Graf im Schloss Noer im Kreis seiner Familie. Seine Frau Carmelita starb am 11. August 1912.
 
  
1. Kurzinformation über das Mausoleum als pdf-Datei 
2. Ausführliche Beschreibung des Mausoleums als pdf-Datei
3. Beschreibung über die Renovierung / Restaurierung des Mausoleums als pdf-Datei
 

Führung und Besichtigung für Gruppen nach Absprache mit Peter Schoß, Tel. 04346/1608
Der Eintritt ist frei. Wir bitten um eine großzügige Spende.

 
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